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Wissensdatenbank

Impfungen

Alles über die wichtigen Impfungen und welche in welchem Lebensabschnitt nötig sind.

1. Was eine Impfung ist und wozu man sie braucht

Eine Impfung ist ein tiermedizinisches Präparat, das das Immunsystem trainiert, Viren oder Bakterien zu erkennen und zu vernichten, ohne dass die Katze tatsächlich erkrankt. Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen (Lebendimpfstoffe, inaktivierte, rekombinante und andere).

Wichtig zu verstehen: Eine Impfung heilt keine Krankheit. Sie bereitet den Körper im Voraus auf die Begegnung mit einer Infektion vor.

2. Wie eine Impfung wirkt

Nach der Impfung laufen mehrere Phasen ab.

1. Das Immunsystem lernt den Erreger kennen. Der Körper erkennt, dass ein „fremder“ Eindringling aufgetaucht ist. Obwohl das eigentliche Virus keine Krankheit auslöst (oder gar nicht vorhanden ist), reagiert das Immunsystem so, als wäre eine echte Infektion aufgetreten.

2. Die Antikörperbildung beginnt. Der Körper produziert spezielle Eiweiße – Antikörper. Genau sie können das echte Virus schnell erkennen und neutralisieren.

3. Gedächtniszellen entstehen. Das ist die wichtigste Phase. Das Immunsystem merkt sich: wie das Virus aussieht; wie man es schnell vernichtet; welche Antikörper speziell gegen dieses Virus gebraucht werden. Dieses Gedächtnis kann mehrere Jahre bestehen bleiben, manchmal fast ein Leben lang – je nach Krankheit.

4. Kommt es zu einer echten Infektion, erkennt das Immunsystem das Virus fast sofort, Antikörper werden sehr schnell gebildet, und das Virus hat keine Zeit, sich stark zu vermehren. Dadurch sind drei Verläufe möglich: Die Katze wird gar nicht krank; die Krankheit verläuft sehr mild; das Sterberisiko sinkt um ein Vielfaches.

3. Warum man eine Impfung nicht durch Behandlung ersetzen kann

Viele Viruserkrankungen bei Katzen lassen sich kaum behandeln. Zum Beispiel: Katzenseuche; Tollwut; manche Formen der Katzenleukämie.

Der Tierarzt kann nur die Folgen behandeln: Austrocknung; Entzündungen; Sekundärinfektionen; Krampfanfälle; Atembeschwerden.

Das Virus selbst muss der Körper allein besiegen. Ist das Immunsystem nicht vorbereitet, sind die Chancen dafür deutlich geringer.

4. Warum die Immunität nicht sofort wirkt

Eine vollständige Immunantwort braucht Zeit. Der Körper benötigt normalerweise 2 bis 4 Wochen nach der Impfung, um genug Antikörper und Gedächtniszellen zu bilden. In dieser Zeit ist das Tier noch verwundbar.

Üblicherweise: Die ersten Antikörper erscheinen nach 5–7 Tagen; ein guter Schutz bildet sich nach 2–4 Wochen.

5. Arten von Impfungen: die Pflichtimpfungen

Alle Katzenimpfstoffe werden grob in zwei große Gruppen eingeteilt.

Pflichtimpfungen (Core-Impfungen) werden für alle Katzen empfohlen, unabhängig von Alter, Rasse und Lebensstil – selbst wenn die Katze nie nach draußen geht. Der Grund ist einfach: Erreger können über Schuhe, Kleidung, Hände oder Gegenstände ins Haus gelangen.

1. Katzenseuche (Feline Panleukopenie, FPV). Die gefährlichste Viruserkrankung bei Katzen. Auch als infektiöse Enteritis bekannt. Betrifft Darm, Knochenmark und Immunsystem. Die Sterblichkeit bei Kätzchen kann bis zu 90 % betragen. Das Virus ist sehr widerstandsfähig und kann sich über ein Jahr in der Umwelt halten.

2. Katzenherpesvirus (FHV-1). Verursacht eine virale Rhinotracheitis. Hauptsymptome: Schnupfen, Augengeschwüre, Bindehautentzündung, Niesen, Husten, Atembeschwerden. Nach der Genesung bleibt das Virus lebenslang im Körper, bei Stress kann die Krankheit zurückkehren.

3. Calicivirus (FCV). Ein sehr verbreitetes Virus. Verursacht Geschwüre im Maul, Zungenentzündung, hohes Fieber, Schnupfen, Lahmheit, manchmal eine schwere Lungenentzündung. Es gibt viele Virusvarianten, daher kann eine geimpfte Katze manchmal trotzdem erkranken, die Krankheit verläuft aber deutlich milder.

4. Tollwut (Rabies). Nach dem Auftreten der Symptome fast immer tödlich, gefährlich nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen. In vielen Ländern ist die Impfung gesetzlich vorgeschrieben, besonders wenn die Katze reist, ins Freie geht, an Ausstellungen teilnimmt oder Landesgrenzen überquert.

6. Arten von Impfungen: die nicht verpflichtenden

Diese Impfungen werden nur bei bestimmten Risikofaktoren gegeben.

1) Katzenleukämie (FeLV). Eine sehr ernste Viruserkrankung. Betrifft Immunsystem, Knochenmark und Blut. Erhöht das Risiko für Tumore, schwere Infektionen und Anämie. Die Impfung wird für Kätzchen, Freigänger und Katzen mit Kontakt zu anderen Katzen empfohlen.

2) Chlamydiose (Chlamydia felis). Eine bakterielle Infektion: starke Bindehautentzündung, Augenausfluss, Entzündung der Atemwege. Meist werden Zuchten, Tierheime und Haushalte mit vielen Katzen geimpft.

3) Bordetella bronchiseptica. Verursacht Infektionen der oberen Atemwege, häufiger in Tierheimen, Tierpensionen und Zuchten. Für die meisten Wohnungskatzen ist diese Impfung nicht nötig.

4) FIV (Katzen-Immunschwächevirus). In manchen Ländern gibt es einen Impfstoff, er wird aber nur begrenzt eingesetzt, bietet keinen vollständigen Schutz und kann die Diagnose der Krankheit erschweren.

5) FIP (feline infektiöse Peritonitis). Es gibt eine intranasale Impfung gegen das Katzen-Coronavirus, ihre Wirksamkeit gilt aber als nicht ausreichend belegt.

Für eine Katze, die ausschließlich in der Wohnung lebt, werden in der Regel empfohlen: Katzenseuche, Herpesvirus, Calicivirus. Tollwut – je nach gesetzlichen Vorgaben, Reisen und Empfehlung des Tierarztes. FeLV ist meist nicht nötig, wenn die Katze keinen Kontakt zu anderen Tieren hat.

7. Warum Kätzchen mehrfach geimpft werden

Das hängt mit den mütterlichen Antikörpern zusammen. In den ersten Lebenswochen erhält ein Kätzchen Schutz über die Muttermilch. Diese Antikörper schützen das Kleine, stören aber gleichzeitig die Wirkung der Impfung.

Wird zu früh geimpft, zerstören die mütterlichen Antikörper die Impfung. Wird zu spät geimpft, ist der mütterliche Schutz bereits verschwunden, während der eigene noch nicht aufgebaut ist.

Deshalb wird in einer Impfserie geimpft: mit 8 Wochen; mit 12 Wochen; manchmal mit 16 Wochen. So wird praktisch sichergestellt, dass es einen Moment gibt, in dem die Impfung das Immunsystem „trainieren“ kann.

8. Was ohne Wiederholungsimpfung passiert

Das Immungedächtnis schwächt sich allmählich ab. Es gibt weniger Antikörper, die Gedächtniszellen arbeiten schlechter. Mit der Zeit sinkt der Schutz so weit, dass der Körper wieder anfällig für die Infektion wird. Deshalb müssen die meisten Impfungen wiederholt werden.

9. Kann eine geimpfte Katze trotzdem erkranken

Ja, keine Impfung bietet eine 100%ige Garantie. Eine geimpfte Katze übersteht die Krankheit aber deutlich leichter, ohne ernste Komplikationen und mit minimalem Lebensrisiko. Ziel der Impfung ist es, den Krankheitsverlauf abzumildern und tödliche Ausgänge zu verhindern.

10. Sicherheit moderner Impfstoffe

Moderne Präparate durchlaufen eine strenge Qualitätskontrolle und sind hochgereinigt. Nebenwirkungen sind möglich (Mattigkeit, leichtes Fieber), treten aber selten auf und gehen schnell vorbei.

Das Risiko schwerer Komplikationen nach einer Impfung liegt bei Bruchteilen eines Prozents. Das Sterberisiko bei manchen Infektionen liegt dagegen bei: 50–90 % bei Katzenseuche; fast 100 % bei Tollwut nach Auftreten der Symptome. Genau deshalb halten Tierärzteverbände weltweit die Impfung für eine der wirksamsten Maßnahmen zum Schutz der Katzengesundheit.

11. Wie oft Impfungen aufgefrischt werden müssen (Wiederholungsimpfung)

Die Wiederholungsimpfung ist die erneute Gabe einer Impfung nach der Grundimmunisierung, um den Immunschutz aufrechtzuerhalten.

Grundimmunisierung bei Kätzchen: 8–9 Wochen – erste Impfung gegen Katzenseuche, Herpesvirus und Calicivirus; 12 Wochen – zweite Dosis; 16 Wochen – eine dritte Dosis kann nötig sein, wenn früh mit dem Impfen begonnen wurde; 12–16 Wochen – erste Tollwutimpfung; 12 Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung – erste Wiederholungsimpfung.

Erwachsene Katzen: Katzenseuche (FPV) – die Immunität hält lange an, Auffrischung alle 3 Jahre; Herpesvirus (FHV-1) und Calicivirus (FCV) – bei hohem Risiko jährlich, bei niedrigem Risiko alle 3 Jahre; Tollwut – das Intervall hängt vom Impfstoff und den gesetzlichen Vorgaben des Landes ab (1 oder 3 Jahre); FeLV – jährlich, solange ein Ansteckungsrisiko besteht.

12. Häufigkeit je nach Lebensalter

Kätzchen: das höchste Risiko für schwere Infektionen, die Impfung ist besonders wichtig.

Erwachsene Katzen (1–7 Jahre): Bei rechtzeitiger Impfung bleibt die Immunität meist gut erhalten.

Senior-Katzen (über 10–12 Jahre): Das Alter allein ist kein Grund, auf die Impfung zu verzichten, vor der Impfung wird aber eine klinische Untersuchung durchgeführt.

Ein individuelles Schema kann der Tierarzt empfehlen, wenn die Katze: Freigang hat; in einer Zucht oder einem Tierheim lebt; häufig reist; chronische Erkrankungen hat; ein geschwächtes Immunsystem hat; mit immunsuppressiven Medikamenten behandelt wird; trächtig ist oder Kätzchen säugt.

13. Muss man lebenslang impfen?

In den meisten Fällen – ja. Auch wenn manche Impfungen nur alle drei Jahre gegeben werden, bleibt die regelmäßige Wiederholungsimpfung ein wichtiger Teil der Vorsorge. Der Schutz bleibt mit dem Alter nicht „für immer“ bestehen, deshalb beurteilt der Tierarzt bei jeder jährlichen Untersuchung den Gesundheitszustand und das Ansteckungsrisiko und legt fest, welche Impfungen in diesem Jahr wirklich aufgefrischt werden müssen.

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